Was ist Hobby Horsing?
Was ist Hobby Horsing?
Hobby Horsing (auch: Hobby-Horsing, Steckenpferdreiten) ist viel mehr als „nur“ ein Trend: Es ist eine Mischung aus Bewegung, Pferdeliebe, Training und Kreativität – und genau deshalb findet jede*r darin seinen eigenen Zugang. Für manche beginnt es als liebevolles Hobby im Alltag: Ein Hobby Horse wird gepflegt wie ein eigenes Pferd, bekommt einen Namen, wird geputzt, frisiert und für kleine Abenteuer vorbereitet. Für andere ist Hobby Horsing ganz klar Sport: mit Trainingseinheiten, Technik, Parcours, Dressurprogrammen, Bewertung und Turnieren.
Was alle verbindet: Hobby Horsing bringt Menschen zusammen – draußen an der frischen Luft genauso wie in der Halle – und lässt Pferdebegeisterung erlebbar werden, auch ohne eigenes Pferd.
1) Hobby Horsing als Pferde-Hobby im Alltag: draußen, gemeinsam, in Bewegung
Für viele Kinder (und auch Jugendliche) ist Hobby Horsing zuerst einmal eine pferdenahe Freizeitwelt, in der sie das „Pferdegefühl“ in ihren Alltag holen. Das Hobby Horse wird dabei wie ein echtes Herzenspferd behandelt: Es wird gepflegt, ausgestattet und begleitet – und genau dadurch entsteht oft eine ganz ähnliche Bindung wie zu einem echten Pony.
Ein großer Teil von Hobby Horsing spielt sich an der frischen Luft ab: Kinder treffen sich mit ihren Hobby Horses zu „Ausritten“ durch die Nachbarschaft, verabreden sich im Park oder auf geeigneten Wegen, bauen sich kleine Strecken, laufen Slalom, üben Gangarten (Schritt/Trab/Galopp) oder machen einfach eine gemeinsame Runde – wie eine kleine Reitgruppe, nur eben zu Fuß.
Das ist nicht nur niedlich, sondern richtig wertvoll: Bewegung passiert ganz nebenbei – und oft länger, als man denkt. Koordination, Ausdauer und Körpergefühl entwickeln sich spielerisch. Kinder erleben Gemeinschaft: „Wer kommt heute mit zum Ausritt?“ Und sie haben einen sicheren Raum, in dem Pferdeliebe ausgelebt werden kann – ohne Stallpflicht, ohne Transport, ohne große Hürden.
Zur pferdeverliebten Seite gehört für viele auch das „Stallgefühl“: Hobby Horse putzen, Mähne kämmen, Zöpfe flechten, spielerisch „füttern“, versorgen, Zubehör sortieren, Halfter anlegen, Trense wechseln, Decke auflegen, „turnierfertig“ machen. Gerade für Kinder, die echte Pferde lieben, aber (noch) kein eigenes Pferd haben, kann das unglaublich erfüllend sein – weil es Nähe zum Thema Pferd ermöglicht, ohne dass die Familie die komplette Infrastruktur eines Reitstalls braucht.
2) Hobby Horsing als Sport: Training, Technik, Bewertung & Turniere
Parallel dazu hat sich Hobby Horsing stark als organisierter Sport entwickelt – mit Trainingseinheiten, Vereinen, Regeln, Bewertungssystemen und wachsenden Wettkampfstrukturen.
Hobby Horsing hat seine Wurzeln in Finnland und wurde besonders ab den frühen 2010er-Jahren bekannter. Von dort aus verbreitete sich die Bewegung nach und nach in andere Länder. Was als kreative Subkultur startete, entwickelte sich zunehmend zu einer Sportform mit klaren Disziplinen, Trainingsmethoden und Events.
In Deutschland wird Hobby Horsing zunehmend im Vereinssport verankert. Mit Verbandsstrukturen entstehen häufiger einheitlichere Regeln und Bewertungsrahmen, Qualifikationsformate und organisierte Wettkämpfe, Trainingsgruppen, Trainer*innen-Netzwerke und Vereinsangebote.
Ein Meilenstein war die 1. Deutsche Meisterschaft im Hobby Horsing am 14.–15. September 2024 in Kalbach (Frankfurt am Main). Medien berichteten von über 280 Teilnehmenden und Disziplinen wie Dressur, Stilspringen und Zeitspringen – ein starkes Signal, wie groß die Szene inzwischen ist.
Für 2026 ist erstmals eine European Hobby Horse Championship geplant – am 06.06.2026 in Prag. Das zeigt: Hobby Horsing wächst nicht nur lokal, sondern wird immer stärker international vernetzt.
Im Sportbereich geht es – ähnlich wie im Reitsport – um Technik, Ausdruck, Präzision und Training. Typische Disziplinen sind Dressur (Programme, Linien, Übergänge, Ausdruck, Genauigkeit), Springen (Parcours, je nach Format auf Stil oder Zeit) und Western/Trail (Patterns und Geschicklichkeitsaufgaben, z. B. Stangen, Tore, Kombinationen).
Auch wenn „nur“ gelaufen wird: Die körperliche Leistung ist real. Hobby Horsing fordert Sprungkraft, Kondition, Rhythmusgefühl, Koordination, Körperspannung und mentale Stärke – zum Beispiel beim Merken von Abläufen und beim Auftreten in Prüfungen.
3) DIY & Kreativität: Gestalten, Tüfteln, Selbermachen
Ein weiterer riesiger Bereich ist DIY. Viele Hobby Horser sind nicht nur sportlich, sondern auch extrem kreativ. Hobby Horses werden individualisiert oder komplett selbst gestaltet – und Zubehör wird gebaut, verbessert oder passend zum „Pferd“ designt.
Dazu gehört zum Beispiel, Mähne und Schweif zu stylen, Zöpfe zu flechten, eigene Farbkonzepte umzusetzen oder dem Hobby Horse mit Details eine ganz eigene Persönlichkeit zu geben. Viele gestalten außerdem Turnier-Looks oder Teamfarben – je nachdem, worauf sie Lust haben.
Beim Zubehör reicht DIY von Halftern, Zügeln und Trensen über Martingale, Decken und Fliegenmützen bis hin zu Startnummern, Hindernissen und Trail-Elementen. Oft fließen Upcycling-Ideen ein, und genau das macht den DIY-Bereich so besonders: Du erschaffst dir dein Pferd und dein Equipment so, wie es zu dir passt.
Fazit: Hobby Horsing hat viele Gesichter
Ob als pferdeverliebtes Hobby im Alltag, als Sport mit Training und Turnierambition oder als kreatives DIY-Projekt: Hobby Horsing ist heute eine lebendige Community mit enormem Zulauf – draußen auf „Ausritten“, in Trainingsgruppen, in Vereinen und auf Events.